Katia Mann – Meine ungeschriebenen Memoiren

Written by Rene   // 24. November 2009   // 0 Comments

KatjaMann_MitIhrenSechsKindern_um1925

KatjaMann_MitIhrenSechsKindern_um1925

Ich habe tatsächlich mein ganzes, allzu langes Leben immer im strikt Privaten gehalten. Nie bin ich hervorgetreten, ich fand, das ziemte sich nicht. Ich sollte immer meine Erinnerungen schreiben. Dazu sage ich: in dieser Familie muss es einen Menschen geben, der nicht schreibt. Dass ich mich jetzt auf dieses Interview einlasse, ist ausschließlich meiner Schwäche und Gutmütigkeit zuzuschreiben.

Diese einleitenden Worte begrüßen den Leser von “Meine ungeschriebenen Memoiren”.

Meine ungeschriebenen Memoiren entstand über einen längeren Zeitraum und mit viel Geduld der Interviewenden. Herausgekommen ist eine ungewöhnliche Autobiographie. Ungewöhnlich deshalb weil Frau Mann eine gewisse Altersnaivität und Verklärtheit auf ihrer Vergangenheit hat. Den Mangel an Selbstkritik kann ich aber dieser alten Dame nicht übel nehmen,. Es ist genau das was ich an den ungeschriebenen Memoiren gut finde, schließlich ist sie neunzig Jahre alt als sie mit dem Projekt anfängt. Katia Mann legt einen ganz eigenen Mikrokosmos frei.

Der Mikrokosmos den sie Wiedergibt besteht aus ihrer Geschichte, die Geschichte von ihrer Familie, die Ehe mit Thomas und ihre Kinder. Aber man findet noch mehr wenn man durch das Okular sieht, das Zeitgeschehen aus ihrer Perspektive. Man sieht die Personen um die Familie Mann herum.

Katia Mann geht auf ihre Kindheit ein, ihren Vater, den großen Professor und Mathematiker Pringsheim. Sie erinnert sich an die großbürgerlichen Lebensumstände, an die ersten Werber die sie ablies und ihren Zukünftigen Mann, Thomas. Wenn in ihren Memoiren die Gesellschaftlichen Verhältnisse Beschrieben werden erinnert es mich mehr an ein Märchenbuch als an wahre Begebenheiten die der Tatsache entsprechen. Das liegt daran, weil Katia Mann zu einen Kulturellen Etablissement gehörte das damals nur sehr klein war und heute so nicht mehr existiert. Die kulturelle und intellektuelle Elite war um 1900 ja noch eine überschaubare Menge und in dieser Elitären Menge tummelte sich Katia Mann. Bis zu ihrem Tod blieb sie in Gedanken Teil der Großbürgerlichen Kaste, obwohl diese schon lange untergegangen war.

Katia Mann hatte so viele Bekanntschaften mit Personen der Zeitgeschichte, das man eigentlich nur ungläubig werden kann. Sie erzählt ausschließlich privat, wenn sie über Gerhart Hauptmann spricht, Theodor Lessing, natürlich von ihrem Schwager Heinrich, Gustav Mahler, Hermann Hesse, Franz Werfel, Max Reinhardt, Hermann Broch, Furtwängler, Brecht u.v.m.

Für mich gibt es in den ungeschriebenen Memoiren drei Säulen auf denen diese Autobiographie steht. Zum ersten, Familie Mann und die Bekannten, zweitens die Zeitgeschichtlichen Rahmenbedingungen, und drittens die Werke von Thomas Mann und ihre Erläuterungen.

Das alles in Kombination und betrachtet mit einem Mikroskop, das wir in Katia Mann haben, das einen scharfen Kontrast zulässt, machen meine ungeschriebenen Memoiren zu einen lesenswerten Buch. Geschrieben mit scharfer Zunge, frei von Ideologien außer ihrer eigenen, lässt sie oft an einer Koryphäe keine Feder mehr. Auf ihre Zeit in München geht Katia genauso ein wie auf die Zeiten, in den verschiedenen Exilen. Die Wiener Zeit, bekommt genauso wie er Pariser Aufenthalt seinen Platz. Auf das Leben in Amerika geht sie besonders intensiv ein und spiegelt mit welchen Schwierigkeiten alle Deutschen Literaten, die ihr Exil in den USA suchten, hatten. Brecht zum Beispiel war in Europa einer der bekanntesten Dramturgen, in den USA kannte ihn niemand.

Eingegangen wird auch darauf, welche realen Personen er für seine Literarischen Figuren zur Vorlage nahm. Es ist schon interessant, wenn Thomas Man vor Augen hatte wenn er an Settembrini oder wer alles in Gustav von Aschenbach aus der Tod in Venedig steckt.

Fazit: Wer sich mit Thomas Mann beschäftigt für den sind die Memoiren seiner Frau ein muss. Für alle anderen ist es fast Blick zurück in eine Welt die nicht die unsere ist. Geschrieben in starrer aber witzig anmutender Haltung, mit klar gezeichneten Vorgängen.

Fakten

(mir vorliegende Fassung von Buchverlag Der Morgen)


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