Monika Maron - Stille Zeile sechs

„Stille Zeile Sechs“ ist ein Roman der sich erst für fortgeschrittene Leser eröffnet. Monika Maron ist mir über ihren populärsten Roman „Flugasche“ bekannt geworden. Den ich allerdings noch nicht gelesen habe. Somit ist „Stille Zeile sechs“ der erste Kontakt mit der Autorin.

Diesen Roman kann man in zwei unterschiedlichen Modi lesen. Zum einen nach dem Inhalt und zum anderen nach sprachlicher Eleganz. Beides ist vortrefflich. Nach wenigen Absätzen merkt man, dass ein sehr begabte Autorin diesen Roman geschrieben hat. Die Gleichnisse die sie verwendet sind mit bedacht gewählt. Viele kleine interessante Beobachtungen des Lebens werden gekonnt wiedergegeben. Nicht zu blumig oder zu verkopft.

„Stille Zeile …“ lautet nicht nur der Roman sondern so liest sich dieser auch. Er ist weder laut noch hektisch. Ganz bedacht und in Stille geht die Erzählung voran, selbst wenn geschrien wird, bleibt die Stimmung gedämpft und kontrolliert. Der Roman ist konsequent aus einer Ich-Perspektive geschrieben. Es gibt weder laute Helden noch gibt es laute Verbrecher. „Stille Zeile Sechs“ ist ein Roman der sich kritisch mit der DDR auseinander setzt. Er bringt einen Einblick in die akademische Welt der Republik, sowie bringt Einblicke in die Welt des (real) existierenden Sozialismus. „Stille Zeile Sechs“ ist nicht die erwartete große Anklageschrift gegen das System SED. Und das ist auch gut so. Vielmehr wird das Leben und Wirken zweier Individuen gezeigt. Rosalind Polkowski ist als 44 Jahrige Historikerin diejenige, die den alten Herbert Beerenbaum seine Memoiren abnehmen soll. Um diese Figuren herum bildet Maron eine historische Welt ab, die die Ambivalenz zwischen idealisierter Idee des Kommunismus und realem sein, widerspiegelt. Obwohl Maron nur den Mikrokosmos einzelner Menschen darstellt, erkennt man auch die größeren Geschehnisse die ebenfalls Bestandteil des Romans sind.

Monika Marons Roman setzt viel Wissen voraus. Wenn zum Beispiel partiell vom Hotel Lux die Rede ist dann verbirgt dahinter nicht nur irgendein Hotel sondern „das“ Hotel, in dem die „Gruppe Ulbricht“ in ihrer östlichen Emigration wohnten. Von diesen stillen verweisen gibt es mehrere die zum verstehen des Romans von nicht unerheblicher Bedeutung sind. In Ostdeutscher Tradition gilt es auch hier in „zwischen“ den Zeilen zu lesen. Die Figuren erhalten dadurch mehr Plastizität, wirken Echter.

Fazit:
Schöne, ernsthafte Literatur. Von einer Autorin die auf sehr hohen prosaischen Niveau schreibt.

Fakten:

  • Autor: Monika Maron
  • Titel: Stille Zeile Sechs
  • VÖ-Jahr: 1991
  • Verlag: Fischer

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