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Alle Menschen Seh Ich Leben

Alle Menschen seh ich leben,
Viele leicht vorüberschweben,
Wenig mühsam vorwärtsstreben,
Doch nur einem ist’s gegeben –
Leichtes Streben, schwebend leben.

Wahrlich, der Genuß ziemt Toren,
In der Zeit sind sie verloren,
Gleichen ganz den Ephemeren.
In dem Streit mit Sturm und Wogen
Wird der Weise fortegezogen,
Kämpft, um niemals aufzuhören,
Und so wird die Zeit betrogen,
Endlich unters Joch gebogen,
Muß des Weisen Macht vermehren.

Ruh ist Göttern nur gegeben,
Ihnen ziemt der Überfluß,
Doch für und ist Handeln leben,
Macht zu üben nur Genuß.

Novalis, Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg

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