Buchcover

Christa Wolf geboren am 18. März 1929 in Landsberg/Warthe, starb letztes Jahr am 1. Dezember 2011 in Berlin. Mit ihr verliert die Welt eine großartige Schrifterstellerin. Der Suhrkamp-Verlag veröffentlichte nach ihrem Tod ein Band mit dem Untertitel Essay, Reden, Gespräche, Rede, das ich sehe. Ein Sammelband mit Schriftstücken und geführten Interviews zwischen den Jahren 2000 und 2011.

In ihrem Essay Rede, dass ich dich sehe, schrieb sie „die deutsche Aufklärung wies der Rhetorik, der Kunst der Rede, einen herausragenden Platz zu – kaum überraschen, da sie ja von der edlen Natur und der Erziehbarkeit des Menschen überzeugt war“.

[…] einer der frühesten Aufklärer, Johann Christoph Gottsched, Mitglieder der „Vertrauten Rednergesellschaft“, verlangt „dass ein Redner ein ehrlicher Mann sein muss“, „tugenhafter“ als seine Mitbürger, weil er „eine Kunst in seiner Gewalt hat, die sehr viel Nutzen schaffen kann, wenn sie wohl angewandt wird.“ Wozu angewandt? Nun eben, die Zeitgenossen herauszuführen aus der „selbst-verschuldeten Unmündigkeit“. […].

Nicht zu übersehen ist ebenfalls der Hinweis auf das „Privileg der öffentlichen Rede“.

Weiterhin schreibt sie „Reden ist Führung“? und bringt als böse Erinnerung Adolf Hitler als Beispiel, der Gottsched idealen Redner perfekt und grausam pervertiert hat. Christa Wolf stellt die richtige Frage dazu „Da kommt es doch darauf an, wer führt, und wohin“?. Sie schreibt von den Stimmen der Vernunft. Christa Wolf in allen Ehren, ihr handeln und tun entspricht einem humanistischen Bilde. Als Sie selbst am 04.11.1989 am Alexanderplatz eine Rede vor den Bürgern der DDR hielt, war sie in der tat redlich, wenn auch mit bedacht und nicht mit falschem Überschwang. Die öffentliche Rede ist ein Privileg. Dieser Essay erschien im Jahr 2000 prangert in seiner Quintessenz die Politik (Spendenaffäre Kohl / Kosovokrieg) an, jene eben nicht redlich dienen und jene die „profitmaximiert“ denken und handeln. Ein ernst zunehmendes Wort von einer klarsichtigen und aufgeklärten Frau.

Neben anderen Reden, und Schreiben wie zum Beispiel über Thomas Mann, Uwe Johnson oder ein Brief an Paul Parin zum 90sten Geburtstag sind zahlreiche andere Schriftstücke veröffentlicht. So ist auch ihr Interview zur Fukushima Katastrophe 2011 enthalten, in dem sie auf der höhe der Zeit ihr Meinung äußert. Ein gesamtes Kapitel ist der Malerei gewidmet. Unter anderem geht es um Günter Ueckerts Bilder aus Asche. Dazu gehört auch Wolfs auseinanderzusetzen mit der dem Reaktorunfall Tschernobyl 1986. Als letzte Eintragung des Bandes ist ein Zeit-Interview abgedruckt das die Katastrophe von Fukushima zum Kern hat.

Fazit
Der Sammelband, posthum erschienen, ist ein Zeitgenössische Betrachtung auf die Autorin selbst, deren Bild sich aus vielen Spiegelbildern und persönlichen Perspektiven Christa Wolfs ergeben. Keine wehmütige Reise zurück sondern, von grundfesten Standpunkte aus Einblicke in Erinnerungen, Meinungen sowie der Vergangenheit als auch Gegenwart gibt. Frei von Pathos, umnetzt „Rede, dass ich sehe“ mit seinen lockeren Knoten Leben und Leitlinien der Autorinnen und kann für alle die C. Wolf nicht kennen, zu einer liebenswürdigen Person machen.

Fakten

  • Autor: Christa Wolf
  • Titel: Rede, das ich dich sehe
  • VÖ-Jahr: 2012
  • Verlag: Suhrkamp
  • Seiten: 208

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