Quelle: www.evildead.de
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Jahrelang hatte in diversen Internetforen die Gerüchteküche gebrodelt. Die Rede war von einem Remake und einer möglichen dritten Fortsetzung der EVIL DEAD-Saga. Nun steht es also ins Haus, das Remake, und es ist – soviel darf ich vorausschicken – eines der Besseren seiner Spezies geworden.

Viel war im Voraus darüber zu hören gewesen, die Werbekampagne war clever gestrickt („Der schockierendste Film, den du jemals sehen wirst“!) und der geschickt mit ein paar schockigen Szenen montierte Trailer tat sein Übriges, um die allgemeine Stimmung der Fanbase anzuheizen. Dazu noch ein paar Bilder von einer Pressekonferenz, auf der Bruce Campbell den jungen Filmemacher Fede Alvarez und seinen Drehbuch- Co-Autor Rodo Sayagues über den grünen Klee lobte und die eigenen Leistungen und die seiner Mitstreiter Robert Tapert und Sam Raimi bei der Kreation des ersten Filmes ungebührlich weit herabspielte. Endlich kann sich ein jeder selbst ein Bild machen von den versprochenen Großtaten.

Einige der Innovationen von „Tanz der Teufel“ waren seine äußerst druckvolle Kameraarbeit voller unüblicher Einstellungen, Tiefenschärfeverlagerungen, effektvollen Großaufnahmen und der Einsatz von„shaky cam“ – eine allzeit mobile Kamera zieht den Zuschauer geradezu in das Geschehen. Und ganz klar – all diese Techniken finden ihre Entsprechung in der Inszenierung des Remakes (für dessen Titel man das „The“ fallen ließ), nur auf durch die Größe der Produktion eleviertem Niveau.

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Weggefallen sind jegliche humoristische Ansätze, die sich mit den Sequels immer mehr verstärkten. Es regiert ein düsterer Tonfall, der durch die Drogenvorgeschichte der Hauptprotagonistin Mia noch verstärkt wird, denn ihre Sucht ist es, die die fünf Protagonisten im Remake zusammenführt, nicht der stumpfe Wunsch nach einem ungestörten Party-Wochenende! Nach einem kurzen Ritual soll Mia auf kalten Entzug gesetzt werden. Als dann das Necronomicon ex mortis im Keller entdeckt wird und kurz darauf die Dämonen ihr Treiben beginnen, schiebt man alles Ungewöhnliche zunächst Mia in die Schuhe, die den anderen als immer weniger im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte erscheint. Darin läßt sich ein ganz netter Seitenhieb auf den zweiten „Tanz der Teufel“-Film sehen, der seinen Plot entlang eines langsamen Abgleitens seines Protagonisten in den Wahnsinn entfaltet und dem andere Charaktere demzufolge wenig trauen – und das mit Recht. Und dann bricht über den Zuschauer des aktuellen Werkes ein regelrechtes Gewitter an Ekel-, Schock- und vor allem Splattereffekten herein, die in ihrer Konzentration und ihrer Härte den veränderten Sehgewohnheiten Rechnung tragen, aber dennoch einen angenehmen Retro-Touch bewahren. Da gibt es wenig außer der Hintergrundgeschichte um Mia und ihren Bruder, das den pausenlosen, im wahrsten Sinne des Wortes wildwuchernden Effekteszenen Einhalt gebietet, denn außer den beiden ist keinem anderen Protagonisten eine tiefere Charakterisierung gestattet, und so zerlegen sich Menschen und Dämonen gegenseitig auf farbenfrohste Art in ihre Einzelteile – das sind Ausbrüche, die beizeiten an die italienischen Kannibalen- und Zombieschocker der frühen 80er Jahre gemahnen. Munter werden dabei Szenen sowohl aus dem Originals als auch aus dessen Fortsetzung in den Mixer geworfen, die (nicht nur) Fans der ersten Stunde wohlwollend zur Kenntnis nehmen; und dennoch erscheinen entsprechende Sequenzen keinesfalls nur als kleines, sinnentleertes Augenzwinkern am Rande.

Angenehm retro auch der auffällige Soundtrack, komponiert vom Spanier Roque Baños, der es schafft, dem geneigten Hörer mit Tracks wie „Vomiting“ oder „Get Me Out Of Here“ die Haare zu Berge stehen zu lassen. Baños hat nicht nur für die spanische „Torrente“-Filmreihe komponiert, sondern auch für diverse Filme von Álex de la Iglesia, einer Art spanischem Bruder im Geiste von Sam Raimi. In „Evil Dead“ nun tritt er die Nachfolge von Joseph LoDuca an, der für die Originalfilme ähnliche Schockmomente aufzufahren verstand.

Auch, wenn es die Mehrheit der Horrorfans vermutlich wenig interessieren wird, die vom Versprechen auf ordentlich Gekröse angelockt wurden, möchte ich nicht verschweigen, daß es zwar in der heutigen Zeit eine legitime Herangehensweise an ein Remake ist, die Schockmomente zu verstärken und zu multiplizieren. Die nachhaltige Wirkung des Originalfilmes und ebenso seiner direkten Fortsetzung liegt jedoch auch in seiner fantasievollen Evokation einer jenseitigen Welt, wo sich die Grenzen von Raum und Zeit verschieben und sogar aufheben lassen. In der Wege verschwinden, Bäume sich bewegen und für kurze Momente das Jenseits in das Diesseits einbricht. Atmosphäre ist das Zauberwort, und die wurde besonders durch die kunstfertige Stop and go- Dramaturgie aufrecht erhalten. Auf den großen Angriff der Dämonen folgten üblicherweise Momente der Ruhe, die eine umso durchschlagendere Wirkung des nächsten Effekts sicherstellten. Diese Momente fehlen mir ein wenig im Remake, das sich mehr und mehr wie eine Dampfwalze ausnimmt, so daß sich gegen Ende gar ein wenig Ermüdung breitmacht und das Finale ein klein wenig antiklimaktisch wirkt. Das schmälert nicht wirklich den Erfolg des Filmes, aber sollte ebensowenig außen vor bleiben wie die strunzdummen Dialoge. Die sich teils wie ein Mantra wiederholenden Sprüche aus den Originalen sucht man hier nämlich vergebens (und wenn, dann nur als Zitat), dafür bekommt man dann die üblichen „Motherfucker“-Sprüche, die schon in mindestens 1000 vorangegangenen Filmen deplaziert wirkten.

Abgesehen von den erwähnten Mankos geht dieses Remake aber in Ordnung, besonders wenn man sich das Gros der Horrorklassiker-Remakewelle der letzten Jahre vor Augen hält. Hier wurde am Ende ziemlich viel richtig gemacht – einerseits gibt’s ein Splatterfest, das auch eine jüngere Generation von Horrofans zufrieden stellt, andererseits genügend EVIL DEAD, um auch die „Altfans“ bei Laune zu halten. Einen kleinen Tip möchte ich noch an die Frau/ den Mann bringen – wenn der Abspann läuft, sollte man sitzenbleiben; dann gibt es noch ein Schmankerl als Belohnung.

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