femenprotest

Ursprünglich manifestierete sich die Frauenbewegung in der Ukraine. Feministinen wollten der, seit dem Zerfall der Sowjetunion und der ukrainischen Souveränität, ausufernden Prostitituion Einhalt gebieten und sich gegen den Sextourismus wehren. Die aktuelle Entwicklung der sogenannten Femen, hat Jana Reblaus dazu bewogen einen Artikel zu schreiben. In einer persönlichen Mitteilung fragte sie die Redaktion, ob wir ihren Artikel auf SECTOR-O veröffentlichen können, dieser bitte sind wir, gerne nachgekommen.

Femen-Aktivismus – Quo Vadis?

von Jana Reblaus

Vielleicht macht es ja Sinn etwas in die Geschichte und die organisatorischen Hintergründe der Femen zu gehen, um zu verstehen, warum sie einerseits so kopflos in kulturelle Konflikte laufen und andererseits jede geistige Auseinandersetzung scheuen, aber dabei noch glauben, sie würden einen sinnvollen Beitrag zu einer politischen Debatte leisten. Klar Aufmerksamkeit erregen mag sinnvoll sein. Nur, ist es dabei egal, was für eine Aufmerksamkeit? Soweit ich weiß, kommt in Zusammenhang mit Sexobjekten selten eine ernsthafte und tiefgreifende gedankliche Auseinandersetzung zustande – die dadurch entstandene Aufmerksamkeit führt in der Regel eher zu triebgesteuerten Übersprungshandlungen.

Wie ich gelesen habe, entstand Femen 2008, um gegen Sextourismus in der Urkraine zu protestieren. Seit 2011 ist Femen zudem auch in europäischen Ländern aktiv. Es gibt ein “Ausbildungszentrum” in Frankreich und zwei Gruppen in Deutschland. Zwar ist noch nachvollziehbar, gegen Prostitution auf die Strasse zu gehen, jedoch nicht, dass pauschal der Islam attackiert wird bzw. religiöse Symbole allgemein.

Was mir klar fehlt bei den Femen ist einerseits der Fokus auf für den Femen-Aktivismus geeignete Inhalte und eine gewisse Bildung, die ja oftmals zu den persönlichen Gründen beiträgt, warum man AktivistIn wird. In meinen Augen sind aber viele von den Mädels knapp an einer Modelkarriere vorbei gelaufen und decken sich jetzt eben so ihren Aufmerksamkeitsbedarf. Das würde auch erklären, warum man eine theoretische Auseinandersetzung ablehnt, trotzdem man sich als politische Aktivistengruppe deklariert. Eine teifgreifende politische Gesinnung lässt sich für mich da bei den wenigsten feststellen, gerade wenn man anfängt, Obama als Demokrat zu bezeichnen und offensichtlich jede kulturelle Akzeptanz und Respekt verloren geht, der aber von den anderen eingefordert wird..

Wie kann man glauben, eine zu mehr Toleranz, Anerkennung und Gewaltlosigkeit führende Entwicklung initiieren zu können, in dem man sich oben ohne mit Turban auf dem Kopf zeigt und auf einem Teppich das islamische Gebet nachäfft? Femen scheinen in keiner Weise zu differenzieren, wodurch der eigentliche Betrag zu einer positiven demokratischen Entwicklung gleich null zu setzen ist – und die, die von ihrem Aktivismus betroffen sind, werden so auch nicht zu einer Debatte über mehr Toleranz und Gewaltlosigkeit angeregt werden, da sie ja selber weder Empathie noch Differenzierungsarbeit oder einen Anstoß zu einem interkulturellen Dialog leisten. Im Gegenteil, dadurch verhärten sich die Fronten und wir stecken mittendrin im Kampf der Kulturen.

Solch kopfloser Aktivismus und die Verhärmung kultureller Symbole ist schlicht eine Frechheit und an politischer Konfusion (statt dass das den Menschen dort hilft) nicht zu überbieten. Das, was sie sich an nakter Freiheit (zur Selbstdarstellung) erkämpfen, scheinen sie anderen selbst nicht zu zu gestehen, nämlich die Freiheit des religiösen und kulturellen Ausdrucks, der in jedem Menschen selbst beginnt – weshalb solche Auftritte nur anstößig wirken können, wenn es so pauschalisiert abläuft. Wie naiv und kopflos muss man durch die Welt rennen, wenn man sich dann noch wundert, wenn sich Menschen in ihrer Religiösität durch so ein Auftreten beleidigt fühlen? Doch trotzdem spricht man in dem Kontext von Mut, um sich nach einer kopflosen Aktion mit kaum nachhaltiger Wirkung auf notwendige politische Probleme bzw. deren Ursachen und Lösungen, dann in einem Massenknast in der Ukraine wieder zu finden und WAS erreicht zu haben? Ist das wirklich Mut, wenn man Aktivismus so gar nicht auf einer intensiveren gedanklichen Beschäftigung und Auseinandersetzung mit den Ursachen der Missstände aufbaut, sondern einfach nur nackt mitläuft und sich was auf den Oberkörper schmiert?

Dubios erscheint mir die Frage der Finanzierung von Femen und die Tatsache, dass den Femen die Reaktionen auf ihre Aktionen völlig gleichgültig zu sein scheinen. Stattdessen wird provoziert und Kampfrhetorik verwendet und kulturelle Unterschiede emotional aufgeladen, was eher zur Eskalation beiträgt als zu einer kulturellen Verständigung über notwendige demokratische Veränderungen. Warum wird ein Putin angegriffen und ein Obama als Demokrat angehimmelt? Warum werden gerade in den Ländern provozierende Aktionen gesetzt mit Hirnausschaltgarantie, in denen sich in der Bevölkerung für die Westmächte eher unsympathische Freiheitsbewegungen ergeben haben??? Ich kann hier nur zu dem Schluss kommen, dass die Femen und ihr politisches Potential schlicht instrumentalisiert wurden und für fremde Zwecke (Teile-und-Hersche) missbraucht werden und dass die sich hier abzeichnenden Denkblockaden und Abwehrhaltungen (was schon sektenartige Züge bekommt) bei den Femen eine der Ursachen dafür sind, warum es überhaupt zu solchen undurchdachten, regressiven Aktionen kommen konnte.

Mein Tip für einen sinnvollen und nachhaltigen Femen-Aktivismus: Erst denken, dann ausziehen. Zudem sind gerade die Jobcenter und die damit verbundene Willkür und Entwürdigung ein viel versprechender Aktionsbereich, der bisher noch kaum in den Fokus der Femen gerückt ist. Es wäre wünschenswert, wenn sich hier neben etwas mehr Kreativität und Feingefühl auch ein Sinn dafür einstellt, was durch diese Aktionsform bewirkt werden könnte, wenn sie zielorientiert und mit einer gewissen gedanklichen Vorbereitung durchgeführt wird. Mann und auch Frau lernen schließlich das ganze Leben und das möglichst selbstgesteuert (progressiv), deswegen ist Hirn ausschalten und Verzicht auf einen politischen Diskurs auch kein Weg in eine gewaltlose Zukunft.

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