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Ein Kommentar zum Überfall auf die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo.

Den Islam und die Begründung dieser Religion ist schwerlich in einem Kommentar zu beschreiben. Umso mehr müsste man Zurückhaltung bieten, wenn man auf die schwierigen Begleitumstände hinweisen möchte die sich um den Gründungsmythos des Islam und dem Propheten Mohammed ranken.

Die großen schriftlichen Religionen verbindet einiges, so zum Beispiel, dass immer noch der Mensch entscheidet wie er die Religion, die heiligen Bücher und Propheten interpretiert. Das ist im Christentum, Islam, Judentum analog.

Der Islam hat sicherlich ein großes Problem, das er schon während seiner Gründung eher eine konservative und konservierend wirkende Ausprägung in sich trägt. Das hatte Vor- und Nachteile. Der „Bilderstreit“ ist das vermutlich am meisten prägende Element des islamischen Kulturraum. Innerhalb ihrer selbst auferlegten Grenzen hat die Kunst, Architektur einen Grad der Perfektion erreicht die kolossal ist. Wir alle kennen die wunderbaren Mosaike oder die wiederholenden Muster in Stein gehauen als Relief an Wänden und Mauern, die Säulengänge der Alhambra, Versdichtungen oder verschachtelte Geschichten aus 1001 Nacht. Das ist Großartig.

Alhambra in Spanien , Säulengang
Alhambra in Spanien unter CC0

Diese selbst auferlegte Begrenzung, das man von Gott und Propheten Mohammed kein Abbild, also keine Abstraktion machen darf, hatte aber zu mindestens zwei Aspekten geführt.

Erstens entwickelte sich sehr, sehr schnell eine innerhalb der Vorgaben eine Hochkultur. Denken wir an die Entdeckung der mathematischen Null, oder die Medizin, Astronomie und Architektur. In wissenschaftlichen belangen war die muslimische Welt lange Zeit den westlichen Kulturen weit voraus.

Kommen wir auf den zweiten Aspekt, die andere Seite der Medaille. Innerhalb ihrer Grenzen hat die islamisch geprägte Kultur zwar ein Höchstmaß an Perfektion erlangt, aber leider wurde das Bilder, bzw. Bildnisverbot zu einem Hemschuh für den Kulturraum. Eine Abstraktion des göttlichen wie es später im europäischen Mittelalter üblich wurde, gab es nicht. Der Islam und der umfassende Kulturraum übertrat leider nicht oder zu selten seine eigenen Grenzen um wirklich neues zu schaffen, sondern reproduzierte vorwährend eine Varianz des gleichen Grundmusters. Im Endeffekt wirkt dies, wie ich oben beschrieben habe, eher Konservativ als Fortschrittlich.

In der christlich geprägten Hemisphäre gibt es überall visuelle Abbilder von Jesus, Gott etc., in der islamischen Tradition wäre es ein Frevel Mohammed oder Gott bildlich darzustellen. Das Bildnisverbot erzeugte eine doppelte Tragik. Erstens die eher reaktionäre Grundausrichtung des Islams, zweitens aber noch viel tragischer ist es, dass es sich mit der westlichen Welt enorm beißt.

Die moderne westliche Welt ist eine überwiegend visuelle Welt. Das Fernsehen ersetzt das Radio, Illustration ersetzt das Erzählen. Wir werden von visuellen Erlebnissen überschüttet, nicht von taktilen Erfahrungen oder audiologischen. Das Internet, Youtube, Magazine alles zielt auf die audio-visuelle Wahrnehmung (mit Schwerpunkt auf visuell) ab.

Zum Überfall auf Chalie Hebdo

Das Verständnis und die Toleranz von Muslimen muss groß sein, wenn westliche Medien und insbesondere Satire-Zeitschriften visuelle Schmähungen auf ihren Titelseiten haben, wo z.B. der Prophet Mohammed mit mit Turban und Bombe abgebildet werden. Das passt nicht in den Wertkanon von orthodoxen Muslimen. Ich glaube das sich Satire stärker selbst erklären muss was Satire ist und was man damit bezwecken will. Andersherum ist es auch in Ordnung, wenn Satire-Magazine, trotz aller Frechheit, ihre Bodenlosigkeit nicht verlieren und trotz der satirischen Aufarbeitung sollte Satiremacher den Respekt zum Gegenstand ihrer Betrachtung nicht verlieren.

Wie merkwürdig müssen sich orthodoxe Muslime fühlen, wenn sie bei ihrem Smartphone über glatte Oberflächen streifen und sie im dunklen Spiegelbild feststellen müssen, das wirklich neues von woanders herkommt. Aber vermutlich wechseln sie in einen Modus der „gesunden Schizophrenie“ und das ist völlig ok so.

Aus dieser immer stärker spürbaren Diskrepanz zwischen hypermodernität und Tradition, ergibt sich für das Individuum ein enormes Spannungsfeld. Zwischen den konservativen Wertevorstellungen und der enorm schnelllebigen Zeit, in der Trends und Modeerscheinungen im Wechsel der Jahreszeiten von statten gehen sucht so manch junger Mensch seinen halt im Angriff. Wir sehen das beim Zulauf des IS in Syrien, wo laut Todenhöfer, täglich etwa fünfzig neue Kämpfer aus allen teilen der Welt in den heiligen Krieg ziehen wollen. Es gibt angeblich auch Frauen die sich von konservativen bis radikalen Strömungen des Islams angezogen fühlen.

Kein Grund um sich zu schießen

Auch die drei zwei Attentäter die am 07. Januar die Redaktionssräume von Charlie Hebdo überfallen haben und 12 Menschen gezielt getötet haben, standen vermutlich in dem Spannungsfeld zwischen Moderne und Tradition. Das Attentat ist für mich kein Angriff auf die Pressefreiheit, sondern ein Angriff aus einer Verteidigungshaltung heraus. Gott aber hätte es nicht nötig, sich von daher gelaufenen radikalen Muslimen verteidigen zu lassen. Er kann sich selbst verteidigen wenn er will. Von daher haben die Attentäter alles falsch gemacht was man nur falsch machen kann.

Ein islamistischer Hintergrund ist nach bisherigen Erkenntnissen sehr wahrscheinlich. Die Täter riefen nach Angaben von Zeugen: „Wir haben den Propheten gerächt“ und „Allah ist groß“. Auch eine Zeichnerin, die den Anschlag überlebte, sprach davon, dass die Täter sich ihr gegenüber zur Terrororganisation al-Qaida bekannt hätten. (Süddeutsche Zeitung vom 08.01.2015)

Eines möchte ich aber noch betonen, dass die westliche Politik mit einer Überheblichkeit wie sie auf andere Kulturen hinabblick und umgeht, Tür und Tor für radikale Anschauungen öffnet. Was in Abu Grahib und in Guantanamo passiert ist nicht anders Menschenverachtent als was gestern in Paris passiert ist. Von daher sollten beide Seiten lieber in sich gehen und ruhe suchen, und statt Waffen und Schmähungen, sich lieber die Hände freundlich und Respektvoll entgegenstrecken.

charlie hebdon redaktion
charlie hebdon redaktion

Literaturtip:

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