Gasometer in Berlin
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Ein Kommentar zur Nichtverlängerung des Vertrags von Günther Jauch mit der ARD
Günther Jauch möchte seinen Vertrag mit der ARD über die sonntägliche Talksendung nicht über das Jahr 2015 hinaus verlängern. Er gibt dazu berufliche und persönliche Gründe an.

Man(n)över unfair

Bei der Bekanntmachung das Günther Jauch eine Talkshow ab Herbst 2010, in der ARD bekommen soll war das Medienecho enorm. Der beliebte Moderator aus Potsdam der bisher die Sendungen „Stern TV“ und „Wer wird Millionär“ bei dem privaten Sender RTL moderiert hat soll eine eigene politische Talksendung, zur Primetime, beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen „das Erste“ bekommen. Schnell war klar, der Mann wird nicht unterbezahlt werden. Aber heißer wurde der Sendeplatz diskutiert. Sonntag Abend 21.45 Uhr, nach dem Tatort.

Das Unverständnis der meisten Fernsehkonsumenten war groß, denn zum einen gab es zu der Zeit gewiss kein Mangel an politischen Talkshows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und zum zweiten gab es an diesem Sendeplatz bereits eine politische Talkshow. Und zwar die von Anne Will.

Wie der damalige Intendant auf die Idee gekommen ist, sie durch Günther Jauch zu ersetzen, bleibt sein Geheimnis. An dem Format, an der journalistischen Qualität, kann es nicht gelegen haben. Im Gegenteil Anne Will wurde als politische Talkshow sehr gelobt. Mit im Schnitt etwas mehr als 4 Millionen Zuschauern und einen Marktanteil von rund 14,5 % war die Sendung die von den Zuschauerzahlen her erfolgreichste politische Talksendung seiner Zeit. Und dennoch teilte die ARD der Moderatorin, die gleichzeitig Produzentin von Anne Will ist mit, das nach der Sommerpause Schluss sei. Günther Jauch werde ihren Sendeplatz einnehmen. So wurde Anne Will äußert unfair von der ARD deplatziert. Herr Jauch hätte sich dagegen aussprechen können, eine Kollegin so unfair zu behandeln, hat er aber nicht. So verdrängte Günther Jauch äußerst rigide Anne Will von dem beliebten Sendeplatz nach dem „Tatort“. Man bot ihr gnädigerweise einen Sendeplatz, Mittwochs nach den Tagesthemen um 22.45 Uhr an, nach einigen zögern nahm sie die Offerte an.

viel heiße Luft

Von Beginn an war die Sendung Günther Jauch als polemisches Ventil, als wellness Empörungsorgan ausgelegt. Die meistens geladenen Gäste waren Talkprofis, deren Standpunkte, Positionen und Meinung vorher Bekannt waren. Gäste wie der damalige politische Geschäftsführer der Piraten Johannes Ponader waren selten und zeigten schon 2012 die Entfremdung des Formats auf, die mit der Medienrealität jüngerer Zuschauer kaum mehr was zu tun hatte, in dem er live aus der Sendung heraus tweetete. Den größten Coup allerdings vollbrachte Jan Böhmermann mit dem Varoufakis‘ Stinkefinger-Gate. Er entlarvte mit seinem Stinkefinger-Video das System Günther Jauch. Eine echte Medienschellte die nachhaltig wirkt und die gesamte ARD betrifft. Böhmnermann stellte das Talkshowformat als journalistisches Format blos.

Wer wird Millionär

Kritik gab es neben inhaltlicher Dispositionen auch an Finanzbedürfnis der Sendung Günther Jauch. Wie folgende Statistik darstellt ist die Talkshow deutlich kostenintensiver als vergleichbare Sendungen.

kosten pro sendung
Quelle: 19. Bericht der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstallten, Feb 2014 | * im ZDF ausgestrahlt
kosten pro minute
Quelle: 19. Bericht der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstallten, Feb 2014 | * im ZDF ausgestrahlt

quelle: Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten

Jauchs „Samuel-Koch-Moment“

Flüchtlinge aus Afrika und anderen Ländern der Welt versuchen über das Mittelmeer Europa zu erreichen. Das sogenannte Rettungsprogramm Mare Nostrum der EU lief gerade aus. Mehre hundert in Seenot geratene Menschen ertranken im Mittelmeer. Günther Jauch macht daraufhin eine Sendung wo er mit mit Heribert Prantl, dem ehemaligen Innenminister Friedrich, und dem Schweizer rechtsaußen Roger Köppel und Maya Alkhechen als vorzeige Flüchtling über die Katastrophe zu reden. Am Tag der Sendung verunglückte ein weiteres Flüchtlingsboot mit rund 700 Menschen an Board.

Screenshot
Screenshot

Zum Ende, in den letzten fünf Minuten der Sendung, wollte Günther Jauch mit Harald Höppner, der im Publikum saß, ganz jovial über dessen Initiative Sea-Watch sprechen. Harald Höppner war der Mann, der überraschend Aufstand, und eine Schweigeminute für die im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge einforderte und durchstand. Günther Jauch sichtlich in Erklärungsnöten, versuchte die Show in seinem gewohnten verfahren durchzutalken.

Den Moderator Jauch und der Sendung Jauch führte der Brandenburger Höppner auf eine andere Art und Weise vor als Jan Böhmermann. Höppner nämlich zeigte auf, das die Menschlichkeit und Emphatie die Jauchs Image ausmachen so nicht da sind. Ebenso offenbarte der Akt, das einfachste Gesten wie eine Schweigeminuten, im deutschen Fernsehen ein NoGo sind. The Show must go on.

Somit zeigt ein normaler Bürger auf, daß diese Sendung im Bezug zur Wirklichkeit bis zur Lächerlichkeit entfremdet ist, aber bedeutender für die nichtvertragsverlängerung zum Jahresende, war aber das Harald Höppner zeigte das der Talkmaster in Wahrheit nakt ist. Ausgerechnet Jauchs gefühlte Zielgruppe, die Durchschnittsfamilie, verweigert ihm nach nach drei Jahrzehnten Moderatorenkarriere und vier Jahren Sendung Günther Jauch den gehorsam. Nicht zu Jauch ging Höppner zuerst sondern zum Zentrum für politische Schönheit und lies sich dort helfen, wie er die Sendung am besten hacken könne.

[Update – 09.06.2015:] Anne Will wird ab 2016 Günther Jauchs Nachfolgerin, berichtet der NDR

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